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Die Frankfurter Clubszene in den 80ern

Sven Väth mit Freunden im Cocoon

Dann wollen wir unseren Blog doch mal einweihen und lassen hiermit die Korken knallen!
Auf das erste Thema sind wir gekommen, weil wir in Folge 22 „Step by step“ von OFF (also Sven Väth, Michael Münzing und Luca Anzilotti) aus Frankfurt besprochen haben. Aber wie kann es sein, dass ein waschechter Münchner über die Frankfurter Clubszene schreibt? Ich kann es euch erklären: Ich war in den 80er und 90er-Jahren sehr oft in „Mainhattan“, hatte dort einige Freunde und bin tief ins Nachtleben eingetaucht.

Darum durchforste ich jetzt mal mein Gedächtnis und schaue, was mir zum Nightlife der Bankenstadt und zum Sound of Frankfurt alles in Erinnerung geblieben ist. Fangen wir doch gleich mal mit OFF an. Ich habe die „Electrica Salsa“-Erfinder einmal live im Cooky’s gesehen, einem echten Dauerbrenner-Laden, der existenziell das vierte Jahrzehnt erreicht hat. Natürlich immer wieder mal neu designt, technisch upgedatet und reloaded. Stolz ist man hier auf Gäste wie Snoop Dogg und die Rolling Stones, der Alex aus München fällt da eher nicht so ins Gewicht. Aber als OFF-Location ist es mir wirklich nachhaltig in Erinnerung geblieben, weil die Show damals hautnah zwischen all den Leuten abging und Sven Väth voller Inbrunst sein (noch ausbaufähiges) Gesangstalent unter Beweis stellte. 

Sven Väth
Sven Väth in Aktion

Danach habe ich den heutigen Techno-Guru, der in Frankfurt von vielen liebevoll „Babba“ genannt wird, überwiegend hinterm DJ-Pult erlebt. Das erste Mal im Vogue, dem Vorgänger seines späteren Clubs Omen. Schon damals verstand er es perfekt, die Menge anzuheizen und in Ekstase zu versetzen. Nicht nur durch seine Musik, sondern auch als wild gestikulierender, gern auch mal oberkörperfreier Animateur im Duracell-Modus hinterm Mischpult.

Dasselbe in Grün spielte sich dann auch ab 1987 im Omen ab, wobei ich erst dort erleben durfte respektive musste, wie es ist, wenn der Schweiß bzw. das Kondenswasser in einem Club von der Decke tropft. Das war mir noch nie passiert und dieses Phänomen ist mir in der Form danach auch nie mehr untergekommen. Vielleicht waren Ende der 80er aber auch die Klimaanlagen einfach noch zu schwach auf der Brust. Das war in Svens späterem Club Cocoon natürlich nicht mehr so. Ein geiler Laden, mit Liegerestaurant für Gourmetgenüsse und einer imposanten DJ-Schiffsbrücke (siehe Titelbild) mit eingebauter Toilette mittendrin. Inzwischen leider Geschichte. 

Das legendäre Dorian Gray

Das gilt auch fürs legendäre und sperrstundenfreie Dorian Gray am Flughafen, das für damalige Verhältnisse technisch auch schon vom Feinsten ausgestattet war. Dort habe ich Sven komischerweise nie live in Aktion erlebt, obwohl der kleine Club vom Gray ja die erste DJ-Station war für den jungen Herrn Väth aus Obertshausen nahe Offenbach. Später bestritt er auch legendäre Samstagsnächte im großen Club des Gray. Ansonsten waren dort Talla 2XLC, DJ Dag, DJ Taucher sowie Mark Spoon, Torsten Fenslau und Pascal FEOS (Gott habe alle drei selig) die bekanntesten Residents. 

Talla hatte mit dem „Techno Club“ einen eigenen Abend und hat sicherlich dazu beigetragen, dass der Begriff Techno (ganz ursprünglich in Detroit entstanden) sich für dieses Genre elektronischer Musik endgültig durchsetzte. Sein Sound ging damals eher noch in Richtung Electronic Body Music (EBM) und damit öffnete er mir die Ohren für ganz neue beinharte Klänge der düsteren Sorte, die ich auch heute noch faszinierend finde. Talla 2XLC, der eigentlich Andreas Tomalla heißt, ist übrigens neben Alex Azary (der Anfang der 90er auch den Club XS machte) einer der Mitbegründer des Frankfurter Technomuseums MOMEM (Museum of Modern Electronic Music) an der Hauptwache. Es wurde 2022 eröffnet und steht noch auf meiner To-do-Liste. 

Weitere Kultläden

Aber wieder zurück in die Vergangenheit. Da erinnere ich mich auch noch an die Music Hall, die vielleicht nicht den einfallsreichsten Namen trug, aber mit regelmäßigen Nächten mit DJ Dag und Snap-Producer Michael Münzing lockte. Lustig war’s auch immer in der Batschkapp. Der Name ist übrigens Frankfurter Dialekt für eine Schiebermütze, aber das nur nebenbei. Wer das 1976 gegründete und 2014 umgezogene Kulturzentrum mal im Original sehen möchte, kann sich den Videoclip zu „Hier kommt die Schwester“ von Schwester S alias Sabrina Setlur anschauen.

In den 90ern haben die Kapp-Captains dann auch noch den Club Nachtleben an der Konstablerwache aufgemacht, aber das war irgendwie nicht so ganz meine Welt. Auch das Plastik war mir zu schnieke und schnöselig vom Publikum. Wo war ich damals sonst noch so? Im Funkadelic, in dem sich auch schon Superstar Prince königlich amüsierte, im Heaven Seven oben in der Zeilgalerie und im Delirium. Das aber nur tagsüber und natürlich nicht drogenbedingt, denn es handelte sich um einen Kultladen für Platten und Clubwear. Die ein oder andere Maxi und völlig verrückte Raver-T-Shirts hab ich von dort nach München überführt. Ach ja, war eine schöne Zeit und ganz schön crazy … 

Wer das ein wenig nachempfinden möchte, dem empfehle ich dringend, den am 28. Februar 2025 erscheinenden Bildband „Sven Väth – 4 Decades behind the Decks im Vinyl-Format zu kaufen. Ich habe schon eine Vorabversion zu sehen bekommen und habe sie völlig fasziniert durchgeblättert. Zwei Bilder daraus seht ihr ja auch hier in dem Beitrag. Sven selbst meinte dazu: „Die letzten vier Jahrzehnte waren eine Reise, die mich tiefer in die Welt der Musik, des Tanzes und der einzigartigen Momente des Lebens geführt hat, als ich es mir je hätte vorstellen können. Ich spürte das Bedürfnis, nicht nur die Bilder sprechen zu lassen, sondern auch die Geschichten hinter diesen Momenten zu erzählen – Geschichten von Leidenschaft, von der Liebe zur Musik und vom unaufhörlichen Drang, Menschen durch diese Kunstform zu verbinden.“