Warum dem King of Pop beim ersten Durchhören die Tränen kamen!
Text: Alex Gernandt
Michael Jackson, der größte Popstar aller Zeiten. Unerreicht und unvergessen. Mit einer Milliarde verkaufter Tonträger in einer Liga mit Elvis Presley und den Beatles. MJ wurde in den 80ern zum berühmtesten Menschen des Planeten. Ein außergewöhnlicher Künstler, der die Welt verändert hat, ein Pop-Phänomen wie von einem anderen Stern. Mit THRILLER gelang ihm Ende 1982 nicht nur das mit Abstand meistverkaufte, sondern wohl auch das bahnbrechendste Album der Popgeschichte – mit Hits wie „Billie Jean“, „Beat It“, „Thriller“ oder „Wanna be startin‘ something“, ein neuartiger Crossover-Mix aus den Stilrichtungen Pop, Soul, R&B und Rock. THRILLER, produziert von Soundgenie Quincy Jones (Ray Charles, Ella Fitzgerald, Frank Sinatra u. v. a.), ist ein zeitloses Meisterwerk der Extraklasse, begleitet von genialen Musik-Videos, besser: Kurzfilmen, die es in dieser Form zuvor nicht gab.
Die Album-Produktion fand in den Westlake Studios in Hollywood statt. Involviert waren damals u. a. auch die Musiker von Toto, Duettpartner Paul McCartney („The Girl is mine“), Gitarrenwunder Eddie Van Halen (atemberaubendes Solo auf „Beat It“), Songwriter Rod Temperton, der R&B-Sänger James Ingram („P.Y.T.“) und Horrorfilm-Ikone Vincent Price (mit seinem unnachahmlichen „Thriller“-Rap). Über den Mega-Longplayer, der heute so aktuell klingt wie vor 40 Jahren, wurde viel geschrieben, es ist im Prinzip fast alles gesagt. Aber hier möchten wir noch eine kleine Episode aus dieser Ära teilen, die MJs Hang zum Perfektionismus sehr treffend beschreibt …
Für die Popmusik ist THRILLER nicht weniger als das, was in der Malerei etwa Rembrandts „Nachtwache“ oder Da Vincis „Mona Lisa“ darstellen. Doch als MJ das fertig gemixte Album zum allerersten Mal im Studio durchhörte, kamen ihm tatsächlich die Tränen!
Es ist die wahrscheinlich unglaublichste Geschichte rund um THRILLER! Bei der ersten Listening-Party im Herbst 1982 in Los Angeles brach Michael in Beisein seiner Plattenmanager in Tränen aus. In Tränen! Nicht etwa vor Glück oder aus Erleichterung, dass es geschafft war, nein, aus Entsetzen! „Der Mix klang einfach nur schrecklich“, gestand er später der US-Journalistin Lisa Robinson. Wie bitte!? „Thriller“ – schrecklich!? Ein Album der Superlative, bei dem neben Co-Produzent MJ die allerbesten ihres Fachs mitarbeiteten.


Über-Produzent Quincy Jones, der zuvor tausend erfolgreiche Platten produziert hatte, die Toningenieure Bruce Swedien, Humberto Gatica und Bernie Grundman. Dazu kamen Topkönner wie die Gitarristen Steve Lukather, Drummer Jeff Porcaro und Keyboarder David Paich (allesamt von Toto), Sechs-Saiten-Zauberer Eddie Van Halen, Beatles-Legende Paul McCartney, David Foster am Synthesizer, Soul-Sänger James Ingram, Percussionst Paulhino da Costa, Saxofonist Larry Williams, Hollywoodlegende Vincent Price (Rap-Part auf „Thriller“). Was war bloß der Grund? „Ich habe meine Seele, Blut, Schweiß und Tränen in dieses Album gesteckt, alles gegeben“, so Michael. „Aber der Sound klingt scheiße, like crap! Das kann so unmöglich veröffentlicht werden“, befand der Über-Perfektionist. „No way, die Platte muss jetzt erscheinen“, keiften die Plattenmanager aufgebracht zurück. Sie glaubten, ihren Ohren nicht zu trauen. Doch MJ setzte sich – wie so oft in seiner Karriere – durch. Schließlich war es sein Name, der auf der Platte stand. Sofort machte man sich nochmal an die Arbeit. Jeden Tag wurde ein Track neu abgemischt. Bis Michael restlos zufrieden war. Das Album erschien schließlich pünktlich am 30. November 1982. Das Ergebnis … ist bekannt.