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David Bowie in den 80ern

David Bowie

Zwischen Kunstanspruch, Mainstream und Ernüchterung

Kaum zu glauben, aber am 10. Januar ist es tatsächlich schon zehn Jahre her, dass Pop-Ikone David Bowie von uns gegangen ist. Zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag und der Veröffentlichung seines Albums „Blackstar“ starb David Robert Jones, wie er bürgerlich hieß, 2016 in New York an den Folgen einer Leberkrebs-Erkrankung. Die Öffentlichkeit wusste nichts von seiner Krankheit, die 18 Monate vor seinem Tod diagnostiziert worden war. Wir nehmen den Todestag zum Anlass, um speziell die 80er-Jahre in der langen Laufbahn des wandelbaren Musikers einmal näher zu beleuchten. 

Zwischen 1980 und 1989 durchlief David Bowie eine seiner widersprüchlichsten, aber auch popkulturell einflussreichsten Phasen – von der künstlerisch kompromisslosen Avantgarde hin zum globalen MTV‑Superstar und wieder hinaus aus der eigenen Komfortzone. Der gebürtige Londoner befand sich gewissermaßen in einer Art Spannungsfeld zwischen Kunstanspruch, Mainstream-Erfolg und latenter Orientierungslosigkeit. In den 1980er-Jahren lebte er überwiegend im französischsprachigen Teil der Schweiz – ein ziemlicher Kontrast zu seiner exzessiven Zeit in West-Berlin 1976 bis 1978. 

1980: „Scary Monsters“ und das letzte große Art-Rock-Statement

1980 erschien das Album „Scary Monsters (and Super Creeps)“, das oft als Schlusspunkt seiner experimentellen 70er-Jahre-Phase gesehen wird, in der er auch die auf ihn zugeschnittenen Kunstfiguren „Ziggy Stardust“ und „Thin White Duke“ etablierte. Die Single „Ashes to Ashes“ wurde ein Nummer‑1‑Hit in Großbritannien, knüpfte textlich an „Space Oddity“ an (Rückkehr von Major Tom) und schuf mit einem aufwendigen Video einen Meilenstein für das gerade erst im Entstehen befindliche Genre des Musikfernsehens. Mit 250.000 britischen Pfund Produktionskosten war es das teuerste Musikvideo, das bis dahin jemals gedreht worden war.

1981–1982: Kollaborationen und Soundtrack-Arbeiten

1981 nahm Bowie mit Queen die Single „Under Pressure“ auf, die ein weltweiter Hit wurde und bis heute zu seinen bekanntesten Songs zählt. Interessanterweise war Bowie eigentlich zu den Aufnahmen nach Montreux gekommen, um den Hintergrundgesang zu einem anderen Queen-Song, „Cool Cat“, einzusingen. Allerdings war er mit seiner Performance nicht zufrieden, weshalb sein Gesang herausgeschnitten wurde. Stattdessen kam es zu einer spontanen Jam-Session der Musiker – und plötzlich kristallisierte sich eben „Under Pressure“ heraus. Zum Glück, kann man aus heutiger Sicht sagen. In dieser Phase arbeitete Bowie parallel auch für einzelne Filmproduktionen, etwa an seinen Soundtrack‑Beiträgen zum Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Auch schauspielerisch wusste er zu überzeugen und spielte 1982 neben Catherine Deneuve und Susan Sarandon im Film „Begierde“ von Tony Scott mit. All das festigte seinen Ruf als sehr vielseitiger Künstler weiter. 

1983: „Let’s Dance“ und die Ankunft im MTV-Mainstream

David Bowie 1983

Mit „Let’s Dance“ gelang Bowie sein kommerzieller Höhepunkt: Das Album, produziert von Nile Rodgers, wurde in UK und USA mit Platin ausgezeichnet und verkaufte sich weltweit millionenfach. Die Singles „Let’s Dance“, „China Girl“ und „Modern Love“ liefen in Dauerschleife auf MTV, machten ihn zum globalen Popstar und brachten ihm seine ersten großen Hits im Videozeitalter ein. Die dazugehörige „Serious Moonlight“-Tour führte Bowie (Foto: Wikimedia/Jeffchat1) von Mai bis Dezember 1983 einmal um die ganze Welt. Er stand fortan nicht mehr nur für extravagante, experimentelle Musik, sondern auch für publikumswirksame Popmusik.

Mitte der 80er: kritisch beäugter Pop und Mega‑Tour

Die Nachfolgealben „Tonight“ (1984) und „Never Let Me Down“ (1987) setzten den Pop-Kurs fort, galten aber vielen Kritikern und Fans als schwächere, „glattere“ Arbeiten mit weniger künstlerischem Risiko. 1987 startete Bowie die gigantische „Glass Spider Tour“, seine erste große Tour seit mehreren Jahren, mit riesigem Bühnenaufbau und choreografierter Show. Das Ganze war zwar spektakulär, aber doch umstritten, weil viele darin mehr Show als Substanz sahen. Sogar Bowie selbst machte später ein paar abfällige Bemerkungen über seine Schaffensperiode zwischen 1984 und 1987. Und dennoch fallen in diese Zeit relativ erfolgreiche Titel wie „This is not America“ (mit Pat Metheny), das Duett „Dancing in the Street“ mit Mick Jagger, die Single „Absolute Beginners“ aus dem Soundtrack zum gleichnamigen Film oder auch „Blue Jean“.

Späte 80er: Berliner Mauerkonzert und Tin Machine

Ein symbolischer Moment war Bowies Auftritt auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude in West‑Berlin am Pfingstwochenende 1987. Die 76 Meter breite Bühne stand nur wenige Meter von der Berliner Mauer entfernt, sodass der Sound bis hinüber zum Brandenburger Tor und in den Ostteil der Stadt zu hören war, wo sich mehrere tausend Jugendliche versammelten. Bowie sang u. a. seinen in Berlin entstandenen Song „Heroes“, der passenderweise von zwei Liebenden handelt, die sich an der Berliner Mauer küssen, während Grenzsoldaten auf sie schießen. Mit diesem Konzert im damals noch geteilten Berlin nahm er also Bezug auf seine kreative Berliner Phase der 70er und gab ein starkes politisches Statement ab, das aus heutiger Sicht sogar einen kleinen Beitrag zum Mauerfall geleistet hat. 

Sieht man einmal von diesem Höhepunkt ab, war David Bowie aber damals insgesamt in einer Findungsphase und wusste nicht so recht, in welche Richtung es für ihn weitergehen sollte. 1989 reagierte Bowie dann auf seine als Sackgasse empfundene Popkarriere, indem er mit Tin Machine zu einem härteren Band‑Sound wechselte und sich demonstrativ von seinem 80er‑Popstar‑Image distanzierte. Bowie bestand sogar darauf, nur „ein Bandmitglied unter vielen“ zu sein, und lehnte jegliche Sonderrolle ab. Ein erstaunlich bescheidener Abschied von den Eighties für seine Verhältnisse. 

Die 1980er-Jahre waren insgesamt ein wechselvolles Jahrzehnt für David Bowie, geprägt von seinem Imagewandel und großen kommerziellen Erfolgen, aber auch von einer gewissen Schaffenskrise gegen Ende hin. Doch das ändert nichts daran, dass Bowie eine der interessantesten Persönlichkeiten der Popkultur war, die es jemals gegeben hat. Vielleicht sollten wir mal eine Special-Folge über ihn in unserem Podcast einplanen …