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40 Jahre „Black Celebration” von Depeche Mode

Depeche Mode vor den Hansa Studios

Wir haben das Album „Black Celebration” schon 1986 gefeiert und tun es auch 40 Jahre später noch. Daher haben wir eine Special-Folge aufgenommen, in der wir mal wieder so richtig fachsimpeln konnten, wie ihr vielleicht schon gehört habt. Unser Studiogast war Thilo Schmied, der Macher von Berlin Music Tours und absoluter Experte, was die Hansa Studios in Berlin angeht. Dort bekam das fünfte Studioalbum von Depeche Mode ja den finalen Feinschliff, bevor es am 17. März 1986 in den Schallplattenregalen auftauchte. Wir wollen euch in diesem Blogbeitrag noch einmal ein paar Insider-Infos verraten. 

„Black Celebration“ wurde in mehreren Studios eingespielt. Hauptort der Aufnahmesessions ab November 1985 waren die Westside Studios in London. Hier wurde ein Großteil des Albums aufgenommen und gemischt. Als Back-up standen in London auch noch die Worldwide International Studios und die Genetic Studios zur Verfügung. Viele Songs bekamen später in Berlin nochmals eine Auffrischung oder einen Feinschliff. Damals befanden sich im Westteil der Stadt und in Sichtweite zur Mauer die Hansa Studios. Im dortigen Mischraum fand ein wichtiger Teil der Produktion statt. Daniel Miller und Gareth Jones nahmen als Producer weitere Aufnahmen und Mixes in Angriff. Sie integrierten auch ungewöhnliche Samples, die den Industrial-Sound der Band unterstrichen. In einem „Live the album“-Ethos richteten sich Band und ihre Produzenten geradezu häuslich im Studio ein. Das förderte sicherlich den kreativen Prozess, sorgte aber auch für gewisse Spannungen und Erschöpfung.  

Die Berliner Atmosphäre vor der Wendezeit gilt rückblickend als prägend für die düstere Stimmung des Albums. Thilo hat in der Podcast-Folge ja sehr schön herübergebracht, wie interessant und inspirierend die geteilte Metropole damals für die Band war. Was die Stimmung und die Themen auf dem Album angeht, könnte man fast von einer Verdichtung des dunklen, urbanen, fast sakralen Synth-Sounds von Depeche Mode sprechen. Ihre Texte wandelten zwischen Endzeitromantik, Entfremdung, Sexualität und Trostsuche. „Black Celebration” könnte man als eine Art Wendepunkt in der Laufbahn der Band ansehen, als den Moment, in dem Depeche Mode endgültig „ernst“ wurden und ihr Teenie-Synthpopper-Image ablegten.

Durchwachsene Kritiken in den 80ern, heute ein Schlüsselwerk

Depeche Mode auf der Treppe in den Hansa Studios
Depeche Mode auf der Treppe in den Hansa Studios © Mute Records

Viele Fans ordnen ja das Album nach „Construction Time Again“ (1983, in den Hansa Studios abgemischt), „Some Great Reward“ (1984, ebenfalls in den Hansa Studios und in London aufgenommen) und vor „Music for the Masses“ (1987) tatsächlich auch als Beginn einer in sich geschlossenen „dunklen“ Phase von Dave Gahan, Martin Gore, Andy Fletcher und Alan Wilder ein. Was die zeitgenössische Rezeption angeht, gab es damals ja durchaus gemischte Kritiken in der britischen Presse. Wir haben das ja auch thematisiert im Podcast. Steve Sutherland schrieb beispielsweise im Melody Maker, Depeche Mode seien „Mädchen, die verzweifelt versuchen, pervers zu wirken, um der Oberflächlichkeit des Teenager-Star-Daseins zu entkommen.” 

Kevin Murphy vom Fachblatt „Sounds” erkannte in den Texten „harmlose Szenen voller Banalität, ohne Wendungen und mit vielen Happy Ends.” Etwas milder ging Sean O’Hagan vom New Musical Express mit den Jungs um: „Depeche Mode haben innerhalb ihrer eigenen Parameter ein resonantes, wenn auch zurückhaltendes Techno-Pop-Gemälde geschaffen, das einen reichhaltigen, strukturierten Glanz hat, der nicht ohne eine gewisse Tiefe ist.“ Andy Fletcher glaubte in einem Interview auch einmal erkannt zu haben, wo das Problem damals lag: „Wir waren auf der schwierigen Mission, den Menschen zu beweisen, dass elektronische Musik eine ernstzunehmende Musikrichtung ist.“

Heute wird „Black Celebration“ fast durchweg als Schlüsselwerk und perfektes Übergangsalbum für die Entwicklung der Band gewürdigt. Songs wie z.B. „Dressed in black“ werden als prägend für das Selbstverständnis der Fanbase angesehen. Viele sagen, das Album würde erstaunlich zeitlos klingen und Themen wie Isolation und Angst, wären im 21. Jahrhundert fast aktueller als damals. Auch die Tribute-Band Forced To Mode weiß um die Bedeutung des Werks. Sie hat für dieses Frühjahr extra ihre „40 Years of Black Celebration“-Tour angekündigt. Die Coverband möchte dabei nach eigener Aussage speziell „die dunklen, selten gehörten Perlen aus vier Jahrzehnten Bandgeschichte ins Rampenlicht” rücken.

Depeche Mode und ihre Berlin-Liebeauch als Tour zu erleben

Die meisten sind sich also einig: Dieses Album war ein Reifezeugnis für Depeche Mode. Die Berliner Jahre, in denen die Band viel Zeit im damals noch geteilten West-Berlin verbrachte und Martin Gore mit seiner deutschen Freundin Christina Friedrich phasenweise auch fest hier lebte, waren für Depeche Mode schon eine Wendezeit, bevor selbige überhaupt unser Land erfasste. Die Hansa Studios mit ihrer tollen technischen Ausstattung trugen ihren Teil zum Berlin-Beat der Band bei. Wer sich diese heiligen Hallen der Musikproduktion in Kreuzberg einmal näher ansehen möchte, sollte unbedingt eine „Berlin Music Tours“-Führung mit unserem Studiogast Thilo Schmied machen. 

Es gibt verschiedene aktuelle und ehemalige Studioteile im Hansa Haus, die ihr bei der Tour besichtigen könnt. Da hier immer noch viel gearbeitet und produziert wird, sind nicht ständig alle relevanten Studios für eine Tour verfügbar. Es gibt jedoch keinen anderen Weg die Hansa Studios zu besichtigen, außer auf einer dieser Touren. Im Studio 1 mit dem Mischraum steht nach wie vor das alte SSL 4000E Mischpult. Im benachbarten Meistersaal zeigt Thilo auf Anfrage auch gern eine unterhaltsame Multimedia-Präsentation zur Geschichte des Hauses. Dabei erfährt man auch, welche weltberühmten Künstler hier ein und aus gingen: U2, David Bowie, Iggy Pop, Brian Eno, Nick Cave, Die Einstürzenden Neubauten und viele mehr waren bekennende Hansa-Fans.

Für die glühenden Anhänger*innen von U2, David Bowie und Depeche Mode gibt es auch spezielle Berlin-Musiktouren mit besonderem Fokus auf diese Stars. Schaut am besten mal auf die Website https://www.musictours-berlin.de/ – vielleicht sehen wir uns ja bald mal auf einer Tour mit Thilo. 

Thilo Schmied
Danke, Thilo! © Berlin Music Tours